Die Blattgrade des Tees

Blattgradierungen: Blatt-Tee, Broken-Tee und Tee in Teebeuteln

Angesichts der unzähligen Tees im Teehandel ist es für den Verbraucher oft schwer, Tees bester Qualität von Tees minderer Qualität zu unterscheiden. Doch viele hochwertige Tees geben in ihrem Namen Auskunft über Herkunft und Blattgrad. Hier kommt das kleine Tee-Einmaleins für Sie! 

Reihenweise Tees. Wer seinen Tee in Supermarkt, Drogerie oder Kaufhaus kaufen möchte, kann anhand geläufiger Bezeichnungen wie Schwarztee, Kamillentee oder Brennnesseltee vielleicht noch ganz gut, anhand blumiger Bezeichnungen, insbesondere für Tee-Mischungen, wie „Hol Dir Kraft“ oder „Fühl Dich jung“ allerdings kaum noch erahnen, wie der so benannte Tee wohl schmecken wird. Treffende Aussagen zur Qualität des Tees lassen sich aufgrund der Inhaltsangaben auf den meisten Teeverpackungen jedoch kaum noch machen. Im Tee-Fachhandel sieht das schon ganz anders aus: Dort haben insbesondere reine Tees international normierte Bezeichnungen, die wie der kostbare „Darjeeling Tee FTGFOP1 Second Flush Muskatel“ aus unserem Sortiment ausgesuchter Schwarztees zum Beispiel

 

  • den Namen des Anbaugebiets: „Darjeeling“
  • den Blattgrad: „FTGFOP1“
  • die Erntezeit: „Second Flush“
  • das Aroma: „Muskatel“

 

enthalten. Insbesondere die Bedeutung der Buchstabenfolge FTGFOP1 sollte man kennen, denn sie beschreibt mit dem Blattgrad des Tees eine seiner wichtigsten Qualitäten.

Was ist die Blattgradierungen beziehungsweise der Blattgrad?

Die sogenannten Blattgrade beschreiben die Qualität unterschiedlicher Blattfragmente, die im Verlaufe der Verarbeitung des Tees zustande gekommen sind. Je nach Blattgrad sind die Blattfragmente ganze Blätter oder nur Teile (Fragmente) davon. Experten unterscheiden dabei entsprechend der Größe der verwendeten Teeblätter und deren Unversehrtheit zwischen vier Blattgraden:

  • Blatt-Tee
    Blatt-Tee besteht – wie der Name schon andeutet – aus unbeschädigten Teeblättern und / oder Blattteilen. Je vollständiger die Teeblätter erhalten sind, desto wertvoller ist der daraus gemachte Tee. Blatt-Tee ist typischerweise von Hand gepflückt und verarbeitet. 
  • Broken-Tee
    Broken ist eine Blattgrad-Qualität maschinell zerkleinerter Teeblätter.  Im Vergleich zu Blatt-tees sind Broken-Tees dunkler in der Tasse und schmecken auch kräftiger. Großteils bestehen die Broken-Tees aus „Blattschfleisch“, das lässt sie schnell bitter werden. Um dem zu begegnen trinkt man die Broken-Tees gerne mit einem Schuss Milch oder Sahne. 
  • Fannings-Tee
    Fannings ist ein Blattgrad der Broken-Tees: Fannings heißen feine Teeblattpartikel, die beim Sieben anfallen. Fannings sind frei von Blattstängeln und Blattrippen. Fannings-Tee dient vornehmlich dem Befüllen von Teebeuteln.
  • und Dust-Tee
    Dust ist nach Fannings die nächstkleinere und damit kleinste Größe von Broken-Tees. Mit Dust, auf Deutsch: „Staub“, werden die feinsten zerkleinerten und gesiebten Teepartikel bezeichnet. Auch Dust-Tee ist typischer Füllstoff für Teebeutel.

Welche Qualitätsunterschiede gibt es dabei? 

Die Unterscheidung in Blattgrade hat eine lange Tradition, insbesondere in Indien. Aus den Angaben der Blattgrade kann man auf besondere Eigenschaften des Tees schließen, zum Beispiel seine Farbe oder sein Aroma. Es gilt:

  1. Je mehr Buchstaben es sind, desto besser sind der Blattgrad beziehungsweise die Teeblattqualität und damit der Schwarze Tee.
  2. Je kleiner das Teeblatt ist, je feiner also die Blattfragmente sind, desto stärker wird der Tee daraus. 

Blattgrade: Schwarzer Blatt-Tee

Folgende spezielle Blattgradierungen sind bei schwarzen Blatt-Tees üblich: 

  • Pekoe = P.
    Pekoe ist möglicherweise abgeleitet vom chinesischen „peh-hoe“. Damit ist eigentlich der feine Haarflaum („weißes Haar“ oder „weißer Flaum“) bei Neugeborenen (die  sogenannte Lanugobehaarung) gemeint. In Bezug auf Tee meint Pekoe die feine Behaarung der noch ganz jungen Teeblättchen. Mit Pekoe bezeichnet man einen schwarzen Blatt-Tee, hergestellt aus Großteils intakten, also kaum gebrochenen Teeblättern, die sich mit kurz und nicht sehr fein charakterisieren lassen, sowie aus Knospen.
  • Orange Pekoe = O.P.
    Das Orange in der Blattgradbezeichnung hat wohl nichts mit der Frucht Orange und einem vermeintlichen Orangenaroma des Tees zu tun. Und mit der Farbe Orange wohl auch eher nicht. Vielmehr steht es für das Oranien beziehungsweise Oranje, mit dem man das niederländische Königshaus Oranien-Nassau (Oranje-Nassau) bezeichnet.
    Orange Pekoe ist demnach ein Blatt-Tee aus langen, sehr spitzen Blättern. Der Blattgrad kennzeichnet einen Schwarzen Blatt-Tee, der vor allem in der westlichen Teewelt gut ankommt. Mit O.P. zeichnet man in der Teewelt die sogenannten Standard-Tees aus. Blatt-Tee dieser Qualität besticht mit einem kräftigen, fruchtig-blumigen Duft. Geschmacklich bringt er eine leicht bittere Note in die Teetasse, im Abgang hinterlässt er etwas Süße. 
  • Flowery Orange Pekoe = F.O.P.
    Mit diesem Blattgrad bezeichnet man einen hochwertigen Blatt-Tee, der überwiegend aus langen Teeblättern besteht – aber kaum Blattspitzen (Tips) enthält. Indische Schwarztees dieser Qualität sind meist „zweiter Güte“, chinesische dagegen „erster Güte“. 
  • Golden Flowery Orange Pekoe = G.F.O.P.
    Ein hochwertiger Schwarzer Tee dieses Blattgrades sollte zu gleichen Teilen aus langen Blättern und aus Blattspitzen bestehen. 
  • Tippy Golden Flowery Orange Pekoe = T.G.F.O.P.
    Der hochwertige Schwarztee besteht aus langen Teeblättern und vergleichsweise dem höchsten Anteil an Blattspitzen (Tips). Insbesondere Tees aus den indischen Teeanbaugebieten Assam und Darjiling sind von dieser Qualität. Wird ein Tee mit T.G.F.O.P.1 klassifiziert, handelt es sich um eine der höchsten Güten, die man verarbeiten kann. 
  • Fine Tippy Golden Flowery Orange Pekoe = F.T.G.F.O.P.
    Dieser Blattgrad für Blatt-Tee beschreibt einen Tee von weltweit bester Qualität. Die dafür nötigen Teeblätter werden ausschließlich von Hand geerntet und verarbeitet – und wachsen nur in den besten Teeanbaugebieten und nur in den besten Teejahren. 
  • Special Fine Tippy Golden Flowery Orange Pekoe = S.F.T.G.F.O.P.
    Allerhöchster Blattgrad für allerbeste Blattqualität: Blätter für mit diesem Blattgrad klassifizierte Tees müssen höchsten Ansprüchen gerecht werden. Nötig ist ein hoher Anteil an Spitzen (Tips) sowie goldbraunen, intakten Teeblättern.

Blattgrade: Broken-Tee

Für Broken-Tees gelten im Grunde ähnliche Blattgrade wie für Blatt-Tees, wobei die Graduierungen noch um die Qualität „Broken“ („B“) erweitert sind:  

  • Broken Tea = B.T., kommt vorwiegend von Teeanbaugebieten aus Sumatra, Sri Lanka (ehemals Ceylon) und Südindien
  • Broken Pekoe = B.P., kommt vorwiegend aus Indonesien, Sri Lanka und Südindien
  • Broken Pekoe Souchong = B.P.S., kommt aus den indischen Teeanbaugebieten Assam und Darjeeling
  • Flowery Pekoe = F.P., kommt aus Sri Lanka, Süd-Indien und Kenia
  • Broken Orange Pekoe / Broken Orange Pekoe 1 = B.O.P. / B.O.P.1, kommt aus Sri Lanka, Süd-Indien, Java und China
  • Flowery Broken Orange Pekoe = F.B.O.P., kommt aus dem indischen Assam, Sri Lanka, Indonesien, China, Bangladesch und Südamerika
  • Finest Broken Orange Pekoe Flowery = F.B.O.P. F., kommt  überwiegend aus Sri Lanka
  • Golden Broken Orange Pekoe = G.B.O.P., 
  • Golden Flowery Broken Orange Pekoe = G.F.B.O.P.
  • Golden Flowery Broken Orange Pekoe 1 = G.F.B.O.P.1 
  • Tippy Golden Flowery Broken Orange Pekoe 1 = T.G.F.B.O.P.1 

Blattgrade: Fanning-Tee

Für Fannings gibt es ebenfalls Blattgrade, wobei hier die Graduierung um die Qualitätsbezeichnung Fanning („F“) erweitert wird: 

  • Pekoe Fannings = P.F.
  • Orange Fannings = O.F., kommt aus Nord-Indien sowie Afrika und Südamerika
  • Flowery Orange Fannings = F.O.F., kommt aus den indischen Teeregionen Assam und Duars sowie aus Bangladesch
  • Golden Flowery Orange Fannings = G.F.O.F., kommt aus dem indischen Darjeeling 
  • Tippy Golden Flowery Orange Fannings = T.G.F.O.F.
  • Broken Orange Pekoe Fannings = B.O.P.F., kommt überwiegend aus Sri Lanka, Indonesien, Süd-Indien, Kenia, Mosambik, Bangladesch und China

Blattgrade: Dust-Tee

Die entsprechenden Blattgrade für Dust-Tees schließlich lauten:

  • D.1 – Dust Tee, kommt aus Sri Lanka, Indien, China, Indonesien, Afrika und Südamerika.
  • P.D. – Pekoe Dust
  • P.D. 1 – Pekoe Dust 1, kommt hauptsächlich aus Indien

Welches sind die edelsten Tees der Welt?

Bei all den Blattgraden, Qualitäten und Güteklassen mag so mancher sich fragen, welches denn nun der wertvollste, teuerste oder seltenste Tee überhaupt sei. Experten bezeichnen Weißen Tee aus China, der in Teegärten entsteht, die früher den Kaiser beliefert haben, als Champagner unter den Tees. Mitunter werden davon nur eine Handvoll Körbe im Jahr gepflückt. Auch „Drachenbrunnentee“ oder „Silbernadeltee“ wird zu den besten Tees der Welt gezählt. Ebenso der erdige Pu-Erh-Tee aus der chinesischen Region Yunnan. Letzterer kann sehr lange gelagert werden. Und so werden Teescheiben (der Pu-Erh-Tee wird traditionell gepresst), die bis zu 100 Jahre alt sein können, für Tausende von US-Dollar gehandelt.

Zu den Spitzentees aus China in unserem Sortiment: